Wie du bekommst, was du brauchst

KI im Ehrenamt

KI im Ehrenamt: Ideen für das nächste Treffen, ein Social-Media-Post, Ordnung in den Notizen. Wie du sagst, was du brauchst und wo du selbst entscheidest.

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KI im Ehrenamt

KI im Ehrenamt fängt meist klein an: Ideen für ein gemeinsames Treffen, ein Text für Instagram, Ordnung in deinen Sitzungsnotizen. Vorschläge liefert dir ein KI-Werkzeug dafür sofort. Wie brauchbar sie sind, hängt davon ab, wie genau du fragst. Der Prompt-Trichter zeigt dir in acht Stufen, wie du sagst, was du brauchst und wo du selbst entscheidest.

Ein junger Mann sitzt in einem büroähnlichen Raum vor einem Laptop und tippt etwas ein. KI-generiert

Richtig prompten lernen für KI im Ehrenamt

Am Samstag ist der Familiennachmittag, und auf dem Instagram-Kanal der Pfarrei steht dazu noch nichts. Du öffnest einen KI-Chat, tippst „Schreib mir einen Post für unseren Familiennachmittag“ und bekommst Werbetext zurück. Drei Zeilen Hashtags, zwei Emojis zu viel und ein Satz über Gemeinschaft, den so niemand sagen würde.

Es liegt nicht nur an der KI, sondern teils auch daran, dass deine erste Eingabe vieles offengelassen hat, was die Sache ausmacht: für wen, wie lang, in welchem Ton, mit welchem Ziel.

Was du da eintippst, hat einen Namen: Prompt. Ein englisches Wort, das im Deutschen einfach den Auftrag meint, den du der KI gibst.

Der Prompt-Trichter macht aus deinem Einfall einen präzisen Auftrag. Acht Stufen. Du musst sie nicht alle nutzen, aber was du weglässt, füllt das System aus seinen Trainingsdaten auf. Und darin kommen weder deine Gruppe noch dein Anlass vor.

Was nicht in ein KI-Tool darf

Bevor du startest, einige Grundlagen: Das solltest du nicht mit einem KI-Tool tun:

  • Keine personenbezogenen Daten: Namen, Adressen, Telefonnummern, Gesundheitliches, Zugehörigkeiten. Das ist gelebter Schutz der Personen in deiner Umgebung.
  • Wenn du Notizen verarbeiten lässt, ersetze Namen vorher durch Kürzel.
  • Was jemand dir im Vertrauen gesagt hat, bleibt bei dir. Auch anonymisiert nicht.

Dein Werkzeug?

Du brauchst keine Toolliste. Für den Anfang reicht duck.ai, der KI-Chat der Suchmaschine DuckDuckGo.

Adresszeile, duck.ai, los.

Kein Konto, keine Anmeldung, keine Installation, keine Kosten. Links wählst du ein Modell aus einer kurzen Liste: nimm fürs Erste das voreingestellte.

Warum gerade das: DuckDuckGo leitet deine Anfrage anonymisiert weiter, dein Verlauf liegt lokal im Browser statt auf einem Server, und die Anbieter dürfen deine Eingaben vertraglich nicht zum Training nutzen. Das ist eine vertragliche Zusage, keine technische Garantie. Die drei Grenzen von oben gelten also weiter.

Der perfekte Prompt

Das Modell zeigt in acht Stufen, wie man zum perfekten Prompt gelangt.

Es lohnt sich, Schritt für Schritt durch den Prompt-Trichter zu gehen. Unten zum Aufklappen, erklärt am Beispiel des oben erwähnten Familiennachmittags.

1 – Aufgabe definieren

Ein Verb, ein Ergebnis. Nicht „ich bräuchte was für den Familiennachmittag“, sondern: „Schreib einen Beitrag für unseren Instagram-Kanal.“

2 – Kontext festlegen

Alles, was dem System nicht vorliegt: z. B. „12. Oktober, 15 Uhr, Pfarrheim. Es gibt Waffeln, eine Bastelaktion und zum Abschluss einen kurzen Segen. Wir machen das zum ersten Mal. Unser Kanal hat rund 300 Followerinnen und Follower, größtenteils aus dem Ort.“

3 – Leitplanken und Akzeptanzkriterien

Woran erkennst du, dass der Text gut ist? Diese Stufe  bringt am meisten: Gut ist der Post, wenn eine Familie ohne jeden Kirchenbezug ihn sieht und Lust bekommt zu kommen.

4 – Format spezifizieren

Textsorte und Bauform: z. B. drei kurze Absätze mit Zeilenumbrüchen, dazu drei Vorschläge für die erste Zeile und Aufforderungen/CTAs (Call to Action).

5 – Einschränkungen und Begrenzungen

Was nicht sein soll und wo Schluss ist: Maximal 100 Wörter. Höchstens zwei Emojis. Kein Bibelzitat. Es soll nicht nach Gottesdienstwerbung klingen. Wenn dir eine Angabe fehlt, frag nach, statt sie zu erfinden. 

6 – Beispiel bereitstellen

Ein Text, der dir gefällt, wie z. B. der Post vom Pfarrfest im Sommer, der gut ankam: So ungefähr soll es klingen.

7 – Persona identifizieren

Wer spricht, wer hört zu? Beispiel: Du schreibst als jemand, der seit Jahren ehrenamtlich in der Pfarrei aktiv ist, an Familien aus der Nachbarschaft, die uns kaum kennen.

8 – Tonfall bestimmen

Zum Schluss die Feineinstellung, z. B.: Herzlich, ohne Pathos, Du-Anrede, kein Behördendeutsch.

Und dann: nachfassen. Der erste Entwurf ist selten der beste. Bleib im selben Chat und sag, was fehlt: Kürzer. Konkreter. Ohne den zweiten Absatz. Drei Varianten für die erste Zeile.

Die zweite und dritte Runde verfeinern den Text. Und danach kommt der Teil, den keine Runde ersetzt: das Gegenlesen.

Was nicht aus einem KI-Tool darf

Keine ungeprüften Fakten, keine Entscheidungen über Menschen. Termine, Bibelstellen, Zuständigkeiten, Förderregeln, Zitate. Ungefilterte und unkorrigierte Marketing-Floskeln ohne eigenen Stil. 

Bitte immer alles nachlesen und -prüfen. Die KI klingt genauso sicher, wenn sie danebenliegt. Sie arbeitet nämlich nur nach Wahrscheinlichkeit und nicht nach Fakten.

Kleiner Ausflug: Was der Papst dazu sagt

Am 25. Mai 2026 hat Leo XIV. seine erste Enzyklika veröffentlicht: Magnifica humanitas, über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Das Datum des Schreibens, der 15. Mai, ist bewusst gewählt – 135 Jahre nach Rerum novarum, der Sozialenzyklika seines Namensvetters.

Interessant ist, was der Papst nicht tut: Er verbietet nichts und er schwärmt nicht. Er verlangt, dass jederzeit klar bleibt, wer verantwortlich ist, dass es Aufsicht und Regeln gibt, und dass die Nutzenden verstehen, womit sie es zu tun haben. Bei der Vorstellung sagte er, die Künstliche Intelligenz müsse „entwaffnet“ werden, was heißt: KI soll dem Allgemeinwohl und nicht Privatinteressen dienen.

Sein Bild am Ende des dritten Kapitels: Die Menschheit stehe vor der Wahl zwischen zwei Formen des Fortschritts. Ein neuer Turm von Babel, technisch glänzend und unmenschlich. Oder ein Wiederaufbau wie in Jerusalem, der dem Gemeinwohl dient. Diese Entscheidung, schreibt er, beginne im Herzen jedes einzelnen Menschen.

Für den Ehrenamtsalltag heißt das ziemlich schlicht: Du bleibst die Person, die verantwortlich ist. Das Werkzeug KI entscheidet nichts.

Du hast Lust, dich mehr mit dieser Thematik zu beschäftigen? Dann gibt es hier Material.

Beispiel

Vorher

Prompt: „Schreib mir einen Post für unseren Familiennachmittag."

✨ Familiennachmittag – ein Fest für Groß und Klein! 🎉

Gemeinsam schaffen wir unvergessliche Momente, die verbinden. Denn Gemeinschaft ist das, was uns als Pfarrei ausmacht! Kommt vorbei und erlebt einen Tag voller Freude, Lachen und Begegnung. Wir freuen uns auf euch! 💛
#Familiennachmittag #Gemeinschaft #Pfarrei #Familie #Kirche #Zusammenhalt #Begegnung #Glaube #Liebe #Freude #Momente #Sonntag

Nachher

Der Prompt analog zum Prompt-Trichter:

  1. Schreib einen Instagram-Post, der zum Familiennachmittag unserer Pfarrei einlädt.
  2. Sonntag, 12. Oktober, 15 Uhr, Pfarrheim St. Michael. Waffeln, Kaffee, Bastelecke, Spielekiste. Kein Programmpunkt, kein Gottesdienst davor. Es kommen meist 30 bis 50 Leute, viele Familien mit Kindern unter zehn.
  3. Der Post ist gut, wenn jemand nach dem Lesen weiß, wann und wo etwas ist und dass man einfach kommen kann, ohne Anmeldung und ohne mitzubringen.
  4. Drei kurze Absätze mit Zeilenumbrüchen, danach drei Vorschläge für die erste Zeile zur Auswahl.
  5. Höchstens 100 Wörter, maximal zwei Emojis, höchstens fünf Hashtags. Kein Bibelzitat. Nicht das Wort „unvergesslich".
  6. So ungefähr im Ton: [deinen Post vom Pfarrfest im Sommer einfügen]
  7. Du schreibst als jemand, der seit Jahren im Pfarrgemeinderat mitarbeitet und die Leute kennt. Es lesen Eltern aus der Pfarrei, die kurz am Handy scrollen.
  8. Herzlich, ohne Pathos, Du-Anrede, kein Behördendeutsch.

NACHHER

Einfach mal den formulierten Prompt eingeben. Nicht vergessen: Den Platzhalter vorher befüllen.

Der Punkt

Du klärst einmal, was du eigentlich willst: für wen, wozu, in welchem Ton.

Der Gewinn ist deshalb nicht in erster Linie Zeit, sondern Qualität. Wer genau sagt, was er braucht, bekommt Material zum Weiterarbeiten.

Ein Mann gibt drei ganz konkrete Tipps für die KI-Nutzung im Ehrenamt.KI-generiert

Ein erster Schritt für morgen:

Nimm eine Aufgabe, die du gerade vor dir herschiebst, und bearbeite den Inhalt einmal Schritt für Schritt mit dem Prompt-Trichter.

Was zurückkommt, ist selten fertig. Aber es ist etwas, an dem du weiterarbeiten kannst.

Wie ist es dir gelungen?

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Verfasst von

Tanja Matok

Fachstelle Medien und Digitalpastoral | Hauptabteilung Seelsorge | Bistum Regensburg

Tel: 0941 597-2254 | tanja.matok@bistum-regensburg.de